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Hervorgehoben

"Unser Beruf ist glanzvoll und bitter"

Der Anruf Anfang Februar kam völlig überraschend. „Hallo, hier Birgit Minichmayr. Ich wollte fragen, ob Ihr Interesse an einem Exklusivinterview mit Niki Ofczarek und mir habt. Wir würden Eure Verkäuferinnen und Verkäufer außerdem sehr gerne zu den Jedermann-Proben einladen.“ Und ob wir wollten!

 

Die Festspiele sind ansonsten nicht unser Thema, aber ein Exklusiv-Interview mit der neuen Buhlschaft und dem neuen Jedermann im Jubiläumsjahr der Festspiele vor allen anderen Medien zu bekommen, das ist für eine Straßenzeitung schon etwas sehr Besonderes und das wollten wir uns keinesfalls ­entgehen lassen.

Vier Monate später fand nun das Interview auf der Steinterrasse statt, drinnen, weil es draußen trotz Sommerbeginns ordentlich herbstelte. Es war der erste Jedermann-Probentag und Schauspielchef Thomas Oberender besprach noch einige Details mit den beiden, bevor er sich mit „Ich wünsche euch ein schönes Interview“ verabschiedete. Zurück blieben zwei völlig ungeschminkte Schauspieler, die sich im Apropos-Gespräch als innig verbundene, nachdenkliche und auch sehr offene Menschen zeigten.

 

 

Warum wollten Sie ausgerechnet uns ein Exklusivinterview geben?

Birgit Minichmayr: Wir haben uns gedacht: Wenn man schon so viel Pressearbeit macht für den Jedermann – und das gehört halt zu dem Job dazu – dann kann man euch als Straßenzeitung oder als Zeitung nicht ausschließen. Wir wollten mit dem Exklusivinterview für euch einfach das Anliegen von Straßenzeitungen unterstreichen.

Nicholas Ofczarek: Als mir Birgit sagte, es gibt in Salzburg die Straßenzeitung Apropos und wir könnten doch ein Exklusiv-Interview geben, auch um vielleicht zu helfen, die Auflage zu steigern, fand ich das sehr sinnvoll. 

 

Sie laden unsere VerkäuferInnen auch zu den Jedermann-Proben ein – keine Berührungsängste?

Minichmayr: Überhaupt nicht. Ich bin jemand, der immer Straßenzeitungen kauft, in Wien auch. Komischerweise achte ich immer darauf, dass ich nur bei Verkäufern mit Ausweis kaufe.

Ofczarek: Wirklich?

Minichmayr: Ja, ich frage immer, ob sie einen Ausweis haben und ihn mir zeigen können.

 

Da sind Sie vorbildlich. Wir rufen derzeit unsere Leserschaft verstärkt auf, nur bei Verkäufern mit Ausweis zu kaufen, weil sich Leute über Verkäufer beschweren, die gar nicht die unseren sind.

Minichmayr: Das heißt natürlich nicht, dass die anderen nicht auch bedürftig sind ...

 

Absolut, und das ist natürlich eine Gratwanderung. Aber wir müssen unsere Apropos-Verkäufer eben schützen, das geht halt nur mit dem Ausweis. Wir machen gerade in der Festspielzeit die Erfahrung, dass die wirklich Reichen einen großen Bogen um unsere Verkäufer machen – wohl auch, weil es eine zu fremde Welt für sie darstellt.

Minichmayr: Bitter, dass das so ist.

Ofczarek: Ich glaube nicht, dass die Reichen nicht kaufen, weil ihnen die Welt zu fremd ist, sondern weil sie dieser Welt zu entfliehen versuchen. Weil sie hoffen, dass ihnen das selbst ja nie passiert. 

 

Das vollständige Interview finden Sie in der Juli-Ausgabe.

 

 

Nicholas Ofczarek (geb. am 30. Mai 1971 in Wien) ist Mitglied des Wiener Burgtheaters und spielt auch in Fernseh- und Kinofilmen. Ofczarek ist verheiratet und hat eine Tochter.

Birgit Minichmayr (geb. am 3. April 1977 in Linz) spielt neben Filmrollen derzeit hauptsächlich am Wiener Burgtheater sowie am Deutschen Theater und der Volksbühne Berlin. 

 

 

Interview: Michaela Gründler

Foto: Mario Minichmayr & Verena Soltiz

Juli-Ausgabe 2010