Zukunftspläne
Porträt über Apropos-Verkäufer Robert Unyimeabasi von Robert Prosser
Robert Unyimeabasi überlässt wenig dem Zufall. Eine Eigenschaft, die sich für das Master-Studium der Geoinformatik nützlich erweist; die wissenschaftliche Disziplin, die ihn nach Salzburg gebracht hat, erfordert eine genaue, systematische Vorgehensweise. Einen Master mit Fokus auf Ressourcenmanagement und Umweltschutz hat er bereits abgeschlossen, an der Universität von Calabar, einer Hafenstadt im Südosten Nigerias. Selbst stammt er aus Akwa Ibom, einem Bundesstaat an der Küste, der von Ölförderung und Erdgasvorkommen geprägt ist. Mit Anfang vierzig will er die Chance noch nützen, im Ausland zu studieren, das Wissen weiter zu vertiefen, um mehr aus sich zu machen. Der Paris-Lodron-Universität eilte ein guter Ruf voraus, wieder zurück in Nigeria könne er die hier erworbenen Fähigkeiten vielversprechend einsetzen.
Vier Semester in Salzburg also. Er kam von zu Hause mit einem Vorrat an Lebensmitteln nach
Österreich, mit Gemüse, Gewürzen, getrockneten Früchten; er versucht, hauszuhalten, noch ist das Reservoir an Spezialitäten, die die Erinnerung an seine Heimat wachrufen, nicht gänzlich aufgebraucht. Erstmals erlebte er einen Winter mit Minusgraden, der Sommer dagegen ähnelte der kühlsten Phase der westafrikanischen Regensaison. Vier Kinder hat er zurückgelassen, der jüngste Sohn ist erst drei, der älteste siebzehn; jeden Abend telefoniert er mit ihnen. Es war nicht leicht, die Aufenthaltsbewilligung zu erlangen. Die österreichischen Behörden verlangten eine Vielzahl an Dokumenten und den Nachweis, über die nötigen finanziellen Mittel zu verfügen, sein mittlerweile verstorbener Vater wurde von der Botschaft zu einem Interview über die Absichten des Sohnes gebeten.
Neben dem Studium arbeitet er zwanzig Stunden die Woche in der Industriereinigung und
zweimal wöchentlich verkauft er Apropos. Er mag diesen Job, man kommt in Kontakt mit den
Einheimischen und hat Gelegenheit, die Deutschkenntnisse zu verfeinern. In Hof am Fuschlsee hat er vor der Billa-Filiale seinen Posten. Freitag und Samstag eignen sich am besten, die Leute sind weniger gestresst als unter der Woche. Unter der winterlichen Kälte aber litt der Verkauf, auch hatte er Sorge, krank zu werden und Vorlesungen zu versäumen. Mit manchen Kunden hat sich eine Art Freundschaft entwickelt. Andere nahmen ihn als einen Bettler wahr. Das aber würde er sich selbst nicht verzeihen; sich anzudienen, der Außenwelt gegenüber einen armseligen Eindruck zu erwecken, das ist mit der eigenen Würde nicht vereinbar. Diese Selbstachtung, sagt er, bewahre ihn davor, dass idiotische, rassistische Kommentare zu seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, ihn verletzen könnten. Die Selbstachtung und die eigene Würde nicht zu verlieren, an diesem Anspruch hält er...