Ein Rezept für soziales Wohlbefinden?
Einsamkeit, Überforderung oder finanzielle Schwierigkeiten: Soziale und psychosoziale Probleme können die gesundheitliche Verfassung beeinflussen. Mit dem Projekt „Social Prescribing“ will man Menschen kostenlos beraten und an passende Hilfsangebote vermitteln.
von Stefanie Rabensteiner
Eine Patientin kommt mehrmals im Monat in die Arztpraxis. Medizinisch wurde bereits alles abgeklärt, eine körperliche Ursache lässt sich nicht finden. Im Gespräch mit der Ärztin erzählt sie schließlich, dass sie sich oft einsam fühle und gerne neue Menschen kennenlernen würde. In diesem konkreten Fall kommt Maria Wurzer-Trasischker ins Spiel. Sie ist Sozialarbeiterin und sogenannte Link-Workerin im Gesundheitszentrum Itzling.
Link-Worker:innen wie Wurzer-Trasischker nehmen sich für jene Fragen Zeit, die in den Arztpraxen oft zu kurz kommen. Oftmals gehe es um Einsamkeit, Isolation, finanzielle Sorgen oder familiäre Probleme, erzählt sie. „Und dann schauen wir je nach Alter, Lebenssituation und finanziellen Möglichkeiten, welche Angebote es in Salzburg gibt, und vermitteln an die betreffenden Stellen.“ Manchmal reiche es schon, vorab einen Termin zu vereinbaren, damit die ersten Hürden genommen werden, erklärt Wurzer-Trasischker.
Das Konzept hinter diesem Service heißt „Social Prescribing“ und wird in Österreich seit 2021 von der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz koordiniert. Der aktuelle Fördercall läuft bis Frühjahr 2028. Der Ansatz stammt ursprünglich aus Großbritannien und bedeutet frei übersetzt „soziale Verschreibung“, bei dem die nicht-medizinischen Bedürfnisse von Patient:innen in den Mittelpunkt gestellt werden.
Die Bandbreite an Angeboten reicht von Gesundheitsförderungsmaßnahmen, Sport- und Bewegungsprogrammen, Sozial-, Schuldner-, Arbeits- oder Wohnberatung bis hin zu Gemeinschaftsaktivitäten. Das Ziel sei, den Menschen bei den ersten Schritten zu helfen, um selbstwirksam zu werden und selbstständig Angebote zu nutzen. „In Salzburg mangelt es nämlich nicht an Angeboten, oftmals braucht es jedoch Unterstützung, damit die Menschen diese auch in Anspruch nehmen“, ergänzt die Link-Workerin.
Insgesamt bieten neun Einzelordinationen und drei Primärversorgungszentren in der Stadt Salzburg sowie das Gesundheitszentrum Saalfelden im Pinzgau „Social Prescribing“ an. Seit Kurzem nimmt auch die Virgilambulanz Salzburg als Fördernehmer teil. Dort können sich Menschen in Not und ohne Krankenversicherung betreuen lassen. Das Angebot wird bis dato gut angenommen. „Mittlerweile melden sich projektkundige Patient:innen zunehmend selbst für eine Termin“ freut sich Maria Wurzer-Trasischker.