Ein Recht auf gute Luft
Luft ist Leben – für Arnulf Hartl sogar in mehrerlei Hinsicht. Der Leiter des Instituts für Ökomedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg forscht an den Zusammenhängen von Natur und Gesundheit. Dabei untersucht er mit seinem Team Verträglichkeit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von naturbasierten Therapieformen bei chronischen Erkrankungen und Zivilisationserkrankungen. Ein Gespräch über das Atmen am Berg, Staub in der Stadt und politische Verantwortung mit Luft nach oben.
Titelinterview mit Arnulf Josef Hartl
von Michaela Hessenberger
Was ist gute Luft?
Arnulf Hartl: Feinstaubarme Luft. Feinstaub ist eine der größten Gesundheitsherausforderungen, die die Welt überhaupt zu bewältigen hat. Um uns das vor Augen zu führen, müssen wir nur in die Statistiken schauen. Jeder sechste Tote weltweit ist der schlechten Luft und dem Feinstaub zuzuschreiben. Wenn wir an miese Luftqualität denken, haben wir schnell Bilder aus Schanghai vor Augen, denn über dieser asiatischen Megacity steht eine dichte Smog-Glocke. Doch auch in Europa gibt es Regionen, in denen Menschen durchschnittlich drei Jahre kürzer leben im Vergleich zu Bewohnerinnen und Bewohnern des Alpenraums.
An welche Gebiete denken Sie da?
Arnulf Hartl: An das Rhein-Main-Ruhr-Gebiet in Deutschland, an weite Teile des südlichen Voralpengebietes – die Po-Ebene in Italien. Dort ist die Luftverschmutzung im Vergleich zu Österreich sehr hoch.
Die Alpen schützen uns also?
Arnulf Hartl: Ja, wir müssen uns die Alpen wie eine grüne Insel in einem Meer von Feinstaub vorstellen. Der Alpenbogen und seine Schutzgebiete wie der Nationalpark Hohe Tauern sind wirkliche Gesundheitsorte.
Welche Rolle spielt der Klimawandel bei guter Luft?
Arnulf Hartl: Er wird immer sicht- und spürbarer. In Österreich sind wir in einer privilegierten Position. Noch. Denn wir haben aktuell die Nachtkühle auf unserer Seite. An heißen Sommertagen können wir bei geöffneten Fenstern schlafen, zumindest hier im Westen. In Wien ist das schon schwieriger und nicht mehr selbstverständlich möglich. Die Großstadt heizt sich durch Beton- und Asphaltflächen so auf, dass urbane Hitzeflächen entstehen. In Salzburg haben wir, verglichen mit Wien, ein beinahe schon wohltemperiertes Sommerklima, zumindest nachts.
Dabei weht in Wien gefühlt andauernd der Wind.
Arnulf Hartl: Wind ist prinzipiell etwas Gutes, wenn es um Luftqualität geht. Für eine umfassende Luftverbesserung durch Wind ist Wien einfach zu groß. Bewegte Luft kann Diesel- und Umweltgifte wegwehen. Wohin sie geweht werden, ist eine andere Frage. Wenn eine Stadt in einem Becken liegt, dann ist das schlecht. Beispiele sind Graz oder Klagenfurt mit ihrer häufigen Immersionswetterlage. Das bedeutet, dass Schadstoffe und Feinstaub, die normalerweise in...