Dem guten Leben auf der Spur
Ein gutes Leben für Mensch, Tier und Natur – diesem Ziel folgt das Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie. Rund 400 Unternehmen in Österreich haben sich der Bewegung bereits angeschlossen und wirtschaften nicht nur mit Blick auf die Zahlen, sondern auch im Sinne des Gemeinwohls. Wie kann ein gutes Leben für alle aussehen? Eine Spurensuche im Hotel Auersperg, bei der Regionalsprecherin Sabine Lehner und der ARGEkultur.
von Julia Herzog
Die Lounge des Auerspergs ist in Kupferrot und Brauntönen gehalten. Die Holzvertäfelung scheint den Raum zu umarmen, Lichtspots werfen hier und da einen weichen Schein auf Stühle und Tische. Als Salzburger Straßenzeitung kennen wir die Inneneinrichtung des Boutiquehotels gut, finden hier doch regelmäßig die Gespräche unserer Rubrik Autor:in trifft Verkäufer:in statt. Das Auersperg setzt dabei nicht nur auf Atmosphäre, sondern als gemeinwohlzertifizierter Betrieb auch auf Haltung. Damit gehört es zu jenen Unternehmen und Initiativen, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben und einer Marktwirtschaft folgen, die auf den Wertesäulen Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung aufbaut. Von Mitarbeiter:innen über Lieferant:innen und Kund:innen sollen in einem Unternehmen faire Bedingungen für alle herrschen. Das 2010 von Publizist Christian Felber initiierte Wirtschaftsmodell versteht sich als Alternative zur rein gewinnorientierten Logik. Es schlägt vor, Unternehmen auch nach ihrem gesellschaftlichen Beitrag zu bewerten. Betriebe, die sozial und ökologisch handeln, sollen nach Vorstellung der Bewegung begünstigt werden – etwa durch steuerliche Vorteile oder den erleichterten Zugang zu Krediten.
Handeln zum Wohle aller
Inhaberin Bettina Wiesinger hat sich in ihrem Haus bereits vor Jahren für die Ausrichtung am Gemeinwohl entschieden. Gemeinsam mit ihrem Mann Mark führt sie das Hotel seit 1996 in dritter Generation. Seit 2014 gehört das Hotel zu den gemeinwohlzertifizierten Betrieben in Salzburg. Gemeinwohlzertifiziert – was bedeutet das für das Hotel Auersperg? „Mich spricht der Begriff an, weil er alles sagt, worum es geht. Im Endeffekt versuchen wir, so zu handeln, dass es zum Wohle aller ist.“ Für Wiesinger war die GWÖ-Ausrichtung eine logische Konsequenz ihres wirtschaftlichen Handelns. „Wir haben davor schon so gearbeitet, dass es für die Mitarbeiter, Gäste und die Umwelt förderlich ist. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat dem einen Rahmen gegeben.“ Wiesinger nennt kleine und große Beispiele, wie die GWÖ das Tun im Haus beeinflusst. In Sachen Nachhaltigkeit gehe es ihnen vor allem um langlebige Produkte und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. „Das Hauptziel ist, eher hochwertig und nachhaltig einzukaufen als billig und mehr.“ Als Beispiel nennt sie den Willkommenssekt, der den Gästen beim Check-in serviert wird....