Seit 60 Jahren unbequem
Seit 60 Jahren ist das MARK in Salzburg ein Ort für jene, die anders denken, anders leben oder einfach einen Platz suchen, an dem sie sein dürfen, wie sie sind. Was heute als offenes Kultur- und Sozialzentrum in der Hannakstraße bekannt ist, begann einst als kirchlich gegründeter Soldatentreffpunkt in der Markuskirche in der Gstättengasse. Von dort stammt auch der Name: MARK. Seither hat sich vieles verändert – geblieben ist der Anspruch, unbequem zu sein.
von Ulli Hammerl
Seit 60 Jahren unbequem“, sagt Geschäftsführer Gerd Pardeller mit einem gewissen Stolz. Und tatsächlich: Das MARK versteht sich bis heute als Gegenentwurf zu Hochglanz-Kulturtempeln und konsumorientierten Freizeitorten. Hier geht es nicht darum, möglichst viel Geld auszugeben, sondern darum, Menschen zusammenzubringen. Kultur und soziales Miteinander gehören im MARK untrennbar zusammen.
Seit mittlerweile 17 Jahren befindet sich das Zentrum in der Hannakstraße. Eigentümer des Gebäudes ist Unternehmer und Mäzen Wilhelm Hannak, Gründer des gleichnamigen Bauzentrums. Gerade in Zeiten gekürzter Fördergelder sei diese Unterstützung besonders wichtig, erzählt Pardeller. Denn einfach war die Finanzierung eines freien Kulturzentrums noch nie.
Ein Wohnzimmer für die freie Szene
Dabei ist das Angebot breit gefächert. Im MARK gibt es Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und eine Open Stage. Ab Herbst sollen auch regelmäßige Jamsessions stattfinden. Die Community Kitchen bringt Menschen beim Essen zusammen, in der Radwerkstatt wird repariert statt weggeworfen. Kleidertauschbörsen, der Lesewettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ oder Projekte wie „Hunger auf Kunst und Kultur“ zeigen, dass hier kulturelle Teilhabe nicht vom Geldbörsel abhängen soll.
Besonders wichtig ist dem MARK die Niederschwelligkeit. „Kultur hat immer auch einen sozialen Aspekt“, sagt Pardeller. Deshalb werde bei Eintrittspreisen Rücksicht auf sozial schwächer gestellte Menschen genommen. Das Haus wolle ein „Safe Space“ sein – ein Raum für alle. Menschen sollen hier so sein dürfen, wie sie sind.
Offen für alle
Und genau das scheint zu funktionieren. „Bei uns im MARK treffen Welten aufeinander“, bringt es Julian Sekira, Kassier und Security Guard, auf den Punkt. Jugendliche, Studierende, Künstler:innen, Menschen mit wenig Geld, Familien, alternative Szenen und Vereinsmenschen – alle haben hier einen Platz. Die Altersspanne reicht von 14 bis 74 Jahren, der Großteil der Besucher:innen ist zwischen 20 und 30. Selbst die Untersberger Perchten haben hier ihren Vereinstreffpunkt gefunden.
Kunterbunte Musikszene
Besonders lebendig ist die Musikszene. Derzeit proben mehr als 50 Bands im MARK. Für viele junge Musiker:innen war die Bühne hier der erste größere Auftritt. Die Infrastruktur sei professionell genug, um ernsthaft arbeiten zu können, gleichzeitig aber klein genug, um erste Bühnenerfahrungen zu sammeln, erklärt Pardeller. Zahlreiche Bands hätten hier ihre Anfänge gehabt – etwa Please Madame.
Das MARK ist ein offenes, parteiunabhängiges, autonomes Haus. „Entscheidend“, so Julian Sekira, „sind nicht Herkunft, Szene oder sozialer Status, sondern der respektvolle Umgang miteinander. Wertschätzung auf Augenhöhe.“ Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Haus.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Ortes: In einer Zeit, in der vieles polarisiert und Menschen oft nebeneinander statt miteinander leben, schafft das MARK Räume für Begegnungen. Nicht perfekt, nicht geschniegelt, manchmal unbequem – aber genau deshalb für viele unverzichtbar.