Jäger der verlorenen Schätze
Martin Beck und seine Kollegen suchen dort, wo andere längst aufgegeben haben. Mit Metalldetektor und Tauchausrüstung bringen sie Gegenstände mit sentimentalem Wert zurück – und manchmal sogar ein Stück Geschichte ans Licht.
von Sandra Bernhofer
Mit Anlauf stößt er sich ab. Und für einen Moment gibt es nur ihn, das Adrenalin in seinem Körper und den Bergbach zehn Meter unter ihm. Dann schlägt das eiskalte Wasser über ihm zusammen. Nachdem er sich keuchend wieder an die Oberfläche gekämpft hat und instinktiv aufs Handgelenk schaut, kommt der nächste Schock: Seine Apple Watch ist weg. Irgendwo zwischen den glitschigen Felsen und den dunklen Gumpen hat das Wasser sie verschlungen. Eine kurze Unbedachtheit. Ein teurer Fehler.
Schatztaucher und Sondengänger leben von genau solchen Momenten – und von der Hoffnung, dass Verlorenes nicht für immer verloren ist. 30.000 bis 40.000 sogenannte Sondler gibt es in Österreich, schätzen Menschen, die die Szene gut kennen. Martin Beck aus dem Bezirk Braunau ist einer von ihnen. Gemeinsam mit rund 40 weiteren Ehrenamtlichen engagiert er sich im Verein „Verloren und Finden“, den Philipp Palenik gegründet hat. Ihr Ziel: verlorene Gegenstände in ganz Österreich wieder zu ihren Besitzer:innen zurückzubringen.
Schon sein zweiter Suchauftrag bleibt dem 42-jährigen Innviertler bis heute in Erinnerung. Ein älterer Mann hatte während der Gartenarbeit sein Goldkreuz verloren, das er 15 Jahre zuvor aus Irland mitgebracht hatte. Meter für Meter arbeitete sich Beck durch den Garten. Bis der Detektor schließlich anschlug. Als er dem Mann das Goldkreuz in die Hand drückte, fiel der ihm um den Hals. „Genau dafür mache ich das“, meint Beck. „Es ist einfach schön zu sehen, wie viel Freude man den Menschen macht.“
Handys gehen beim Bootfahren über Bord, Ketten und Ohrringe verschwinden beim Baden, Eheringe bei der Gartenarbeit oder auf der Skipiste. Gerade dort werde die Suche oft zur Geduldsprobe. „Viele merken erst später, dass der Ring fehlt. Dann waren sie schon auf mehreren Pisten unterwegs“, erzählt Beck.
Nicht weniger aufwendig ist die Suche unter Wasser. Hier arbeiten sich professionelle Taucher in Taucherausrüstung, mit Unterwasser-Metalldetektor und Kopfhörern Meter für Meter über den Gewässergrund vor. Rund 30 bis 40 Suchaufträge übernimmt die Gruppe jedes Jahr. Wie lange eine Suche dauert, lässt sich kaum vorhersagen. Der entscheidende Faktor ist fast immer derselbe: Wie genau lässt sich der Ort des Verlusts eingrenzen? „Wenn wir ziemlich genau wissen, wo etwas verschwunden ist – etwa durch ein GPS-Signal –, liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit bei rund 70...