„Ich bin ein Begegnungsmensch, der nicht lockerlässt“
Wer an Salzburg und Kultur denkt, kommt an Alfred Winter kaum vorbei. Der Mann, der die Szene Salzburg gründete, Leopold Kohr wiederentdeckte und sein eigenes Haus für die Kunst verpfändete, wird im Juli 80 Jahre alt – von Aufhören keine Spur.
Titelinterview mit Kulturpionier Alfred Winter
von Michaela Gründler
Herr Winter, wir haben für diese Schwerpunktausgabe das Motto „Quer gedacht“ gewählt. Was bedeutet dieser Begriff für Sie ganz persönlich?
Alfred Winter: Das Verquere ist in letzter Zeit ja rufmäßig leider ein bisschen verkommen. Aber für mich war das eigentlich immer etwas zutiefst Positives, etwas Subversives im besten Sinne: immer das Neue suchend, aber nicht nur für sich selbst, sondern um anderen dabei zu helfen, das Neue ebenfalls zu finden.
Sie gelten in Salzburg als Pionier der Kulturszene: Sie haben die Szene Salzburg gegründet, den Verein Tauriska, die Goldegger Dialoge oder die Leopold-Kohr-Akademie, um nur einiges zu nennen. All diese Institutionen bestehen seit 40 oder 50 Jahren. Was braucht es, um Visionen mit einer solchen Nachhaltigkeit in die Realität umzusetzen?
Alfred Winter: Vor allem braucht es Zuversicht, eine gehörige Portion Glück und Menschen, die einen bedingungslos unterstützen. Alleine bewegt man gar nichts. Meine Familie, meine Frau, meine Schwägerin – alle mussten damals intensiv mitziehen. Zudem hatte ich viele Mithelfer und hervorragende Assistentinnen, ohne die diese immense Projektarbeit über die Jahrzehnte hinweg schlicht undenkbar gewesen wäre. Ein früherer Förderer war Landeshauptmann Hans Lechner, der ganz viel ermöglicht hat. Erzbischof Karl Berg verdankten wir mit dem Kapitelsaal die erste fixe Spielstätte der Szene. Eine wichtige Inspirationsquelle war außerdem der Arbeiter- und Jugendpriester Franz Wesenauer von der Pfarre St. Elisabeth. Und man braucht Beharrlichkeit. Ich habe zudem immer geschaut, dass rechtzeitig fähige Leute die Projekte operativ übernehmen – so wie Michael Stolhofer bei der Szene oder das Ehepaar Susanna und Christian Vötter-Dankl beim Verein Tauriska, die mit viel Kraft und Energie alles großartig weiterentwickelt haben. Kultur heißt für mich „in die Erde greifen“. Es bedeutet, Dinge anzupacken, die anderen unmöglich erscheinen. Man muss ein Klima der Ermöglichung schaffen – und sich dessen bewusst sein, dass es viel harte Arbeit braucht, um etwas Bleibendes aufzubauen.
In den 1970er-Jahren sind Sie ein enormes persönliches Risiko eingegangen und haben zur Finanzierung der Szene Ihr Haus verpfändet. Wie kam es zu diesem radikalen Schritt?
Alfred Winter: Die Szene war damals ein Nukleus für Vielgestaltigkeit. Meine Idee war, ein Programm anzubieten, in dem alles möglich sein darf: Kabarett, Spinnereien...