Auf der Straße

Aufsuchende Streetworkerinnen und Streetworker der Caritas kümmern sich um Menschen, die draußen leben oder leben müssen, weil sie sich keine Wohnung leisten können.

von Ricky Knoll

Treffpunkt Bahnhofsvorplatz: Gemeinsam mit Caritas-Streetworkerin Julie Arnold und Dolmetscherin Alina starten wir die Besuchstour in Richtung Altstadt. An der Ecke Rainerstraße–Ferdinand-Porsche-Straße hat Viorel Platz genommen. Der 64-jährige Rumäne lebt seit zehn Jahren auf der Straße und kommt nach Salzburg, um hier etwas Geld zu sammeln. „In Rumänien kann er nicht leben, er bekommt keine Arbeit. Er hatte einen Herzinfarkt und braucht Geld für Medikamente“, erklärt die Streetworkerin. Diesmal bittet er um einen Zettel für die Trafik. Sie schreibt auf, dass er ein Monatsticket für den Obus kaufen will. „Er kann ja kein Deutsch.“

Am Weg zum Mirabellplatz und darüber hinaus treffen wir etliche weitere Klient:innen. Einige sind gerade von ihrem dreimonatigen Aufenthalt in der Heimat wieder zurückgekehrt. „Armutsmigrant:innen dürfen drei Monate lang hier bleiben und müssen dann wieder zurück für drei Monate, was sie nachweisen müssen, am besten mit Bestätigungen vom Amt.“ Interviews wollen sie nicht geben, sie wollen auch nicht fotografiert werden. „Sie haben ziemlichen Respekt vor der Polizei und wollen keine Schwierigkeiten bekommen“, weiß Arnold. Sie schildert im Interview:

Welche Art von Hilfestellung gibt das Streetwork?

Wir leisten aufsuchende Sozialarbeit im öffentlichen Raum. Wir sprechen Menschen an, bieten Tee oder Kaffee und manchmal auch Essen an, setzen uns dazu und fragen, ob wir helfen können. Wir treten neutral, ohne Caritas-Jacke, auf, um den Grundstein für eine Vertrauensbasis zu setzen. Denn es braucht Zeit, bis sie bereit sind, Hilfe anzunehmen.

Wir verweisen auf Schlaf-, Hygiene- und Essmöglichkeiten, aber auch auf weitere interne wie externe Anlaufstellen. Wir bieten Schlafsäcke, Isomatten und Decken an für jene, die draußen nächtigen. Wir beraten auch zu rechtlichen Fragen, begleiten zu Ämtern oder ins Krankenhaus, helfen bei der Dokumentenbeschaffung, vereinbaren Termine für sie usw.

Wen und wie viele Klient:innen betreuen Sie?

Wir betreuen Menschen. Niederschwellig, anonym, wertfrei und akzeptierend. Für uns ist nicht wichtig, wie oder warum sie in ihre aktuelle Situation gekommen sind, sondern welche Hilfe wir ihnen geben können. Wir betreuen u. a. Österreicher:innen, EU-Bürger:innen (auch Notreisende) oder Geflüchtete. 2025 hatten wir 3227 Kontakte, davon 989 Frauen und 2238 Männer.

Von welchen Problemen berichten Menschen auf der Straße hauptsächlich?

Von Fragen im Zusammenhang mit Wohnungslosigkeit: Unterbringung, materielle oder gesundheitliche Versorgung sowie Orientierung innerhalb des Hilfesystems.

Wann und wo sind Sie bei Ihren Touren unterwegs?

Wöchentlich sind wir in der Regel zweimal tagsüber und zweimal am Abend unterwegs. Am Hauptbahnhof, in der Altstadt und den Bettelverbotszonen, überall, wo Menschen im Freien schlafen oder wo sich wohnungslose Menschen im öffentlichen Raum aufhalten.

Wer ist im Streetwork-Team?

Wir sind zu viert im Team: Alina, Elias, Matthias und ich. Im Streetwork für Armutsmigrant:innen begleitet uns Dolmetscherin Alina.

Wie sinnvoll erleben Sie Ihren Job?

Vor allem am Hauptbahnhof trifft man unweigerlich Menschen, mit denen es das Leben nicht gut meinte. Wir wissen, dass es nicht Sinn und Zweck ist, die Leute vom Bahnhof „wegzubekommen“. Um wohnungslose Menschen zur Gänze von der Straße zu holen, sind lösungsorientierte Ansätze notwendig, z. B. mehr Angebote für ältere, pflegebedürftige, alkohol-, sucht- oder psychisch kranke Menschen. Ich persönlich empfinde meine Arbeit als sehr sinnvoll und mache sie echt gerne.

Was ist Ihr Auftrag – wer erteilt und finanziert den?

Beauftragt und gefördert wird das Streetwork für wohnungslose und von Armut betroffene Erwachsene in Salzburg Stadt von Stadt und Land Salzburg.