Unterwegs mit Elena, Friday und Luise

 

Die Salzburger Fotografin Eva-Maria Mrazek hat Apropos-Verkäufer:innen Elena Onica, Friday Akpan und Luise Slamanig zu einem Fotowalk getroffen: einem Spaziergang der besonderen Art. Bei den Touren entstanden persönliche Geschichten über Heimat, Familie, Hoffnung und Kraftquellen.

von Eva-Maria Mrazek 

Fotowalk mit Elena Onica – ein Appell an die Freundlichkeit

„Ich möchte Deutsch noch besser lernen, weil ich so gern mit Menschen spreche.“

Elena kommt aus Rumänien. Sie ist seit 2010 in Salzburg. Sie hat drei Kinder.

Ihr siebenjähriger Sohn wohnt mit ihr und ihrem Mann in Salzburg.

Ein Ort, an dem du gerne bist?

Ich bin sehr gerne hier in Hallein, wo ich auch die Apropos-Zeitungen verkaufe. Hier fühle ich mich wohl.

Was ist für dich wichtig?

Meine Kinder – sie sind das Wichtigste. Leider leben zwei von dreien in Rumänien.

Ich denke immer an sie und besuche sie so oft, wie es geht.

Was gibt dir Kraft im Leben?

Mein Glaube. Ich bete sehr viel – mit anderen Menschen aus Rumänien übers Handy, und ich gehe auch oft in die Kirche.

Was gibt dir Hoffnung?

Die netten Menschen, die mir begegnen und mich wirklich sehen und mir ein nettes Wort schenken. Das tut einfach gut. Ich kenne viele Leute in Hallein. Es ist schön, wenn die Leute auf mich zugehen und wir uns austauschen.

Was macht dich traurig?

Wenn Leute mich ignorieren oder sich einfach umdrehen, sobald sie mich sehen. Das tut mir im Herzen weh.

Wenn du einen Wunsch frei hättest:

dass mein behindertes Kind gesund wird.

Was möchtest du noch lernen?

Ich möchte die Sprache noch besser lernen, weil ich so gerne mit Menschen spreche.

Was machst du gerne?

Ich koche gerne und habe sogar beim Apropos-Kochbuch mitgemacht, worauf ich sehr stolz bin.

Fotowalk mit Friday Akpan – „Ein besonderer Freitag“

„Hilfsbereit zu sein ist für mich selbstverständlich.“

Friday heißt mit vollem Namen: Friday Sunday (nach seinem Vater) Akpan. Er kommt aus Nigeria und ist seit zwölf Jahren in Salzburg. Er ist gelernter Schuhmacher und liebt Schuhe.

Was bedeutet ein gutes Leben für dich?

Für mich besteht ein gutes Leben aus Liebe und Freude. Man ist nicht glücklich, nur weil man viel besitzt.

Was bedeutet Hilfe für dich?

Hilfsbereit zu sein, ist für mich selbstverständlich. Ich verstehe nicht, warum manche Leute nicht helfen. Das geht immer.

Hast du ein besonderes Ziel?

Mein großes Ziel ist es, selbst Schuhe zu designen und ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Was gibt dir Halt?

Meine Freunde und die Apropos-Kunden. Ich liebe es, mich mit Leuten zu umgeben – das ist ein schönes Gefühl.

Welche Erinnerung würdest du gerne in einem Bild einfangen?

Ein Bild mit meiner Mutter und mir, als ich klein war. Ich erinnere mich an ein schönes Gespräch über die Zukunft.

Was macht dich glücklich?

Das Lachen eines Kindes macht mich sofort glücklich.

Wo kannst du gut abschalten?

Beim Sport. Ich laufe gerne und spiele Fußball.

Lieblingsplatz in Salzburg?

Der Mirabellgarten. Ich liebe Blumen.

Deine größte Herausforderung

Als ich sechs Jahre alt war und meine Mutter gestorben ist. Seitdem vertraue ich immer auf Gott.

Ein schöner Moment:

Wenn ich meinen Bruder und meine Kinder nach vielen Jahren endlich wiedersehe.

Fotowalk mit Luise Slamanig – Nicht alle Wege sind geebnet

„Gesundheit ist die beste Superkraft.“

Luise ist Apropos-Verkäuferin der ersten Stunde. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau und sie kommt ursprünglich aus Völkermarkt in Kärnten. Luise hört gerne Musik wie die von Stefanie Werger oder Rainhard Fendrich.

Was hat dich am meisten geprägt?

Die Zeit, als ich obdachlos war. Ich möchte die Erfahrung nicht missen, aber ich will sie auch nie wieder erleben.

Was gibt dir Halt im Leben?

Apropos. Ich habe dadurch so viel Schönes erleben dürfen: meinen ersten Flug, Buchprojekte und natürlich meine eigenen Texte veröffentlichen zu können.

Ein Ort, an dem du gerne bist?

Der Saftladen in Schallmoos. Hier fühl ich mich sehr wohl, was für mich durch mein Zittern nicht immer so einfach ist.

Worauf bist du besonders stolz?

Dass ich selbst aus der Obdachlosigkeit gekommen bin.

Ein persönliches Ziel?

Es noch mal auf den Kapuzinerberg zu schaffen.

Was hilft dir durch deinen schweren Tag?

Ein Spaziergang um den Leopoldskroner Weiher. Spazieren hilft immer.

Wo kannst du gut abschalten?

Beim Sitzyoga – es entspannt und macht Spaß.

Was zeichnet einen guten Menschen für dich aus?

Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Wunschsuperkraft?

Gesundheit ist die beste Superkraft.

Wenn du deinem jungen „Ich“ einen Rat geben könntest, welcher wäre das?

Gib gut auf dich acht.

„Wir alle mögen Bilder, auf denen wir wir selbst sein können“ 

Fotografin Eva-Maria Mrazek im Gespräch.

Wie ist die Idee der Fotowalks entstanden?

Eva-Maria Mrazek: Die Fotowalks sind aus dem Verlangen entstanden, die Menschen wieder authentischer und vor allem auch ohne Druck zu zeigen. Sich vor der Kamera wohlzufühlen, ist für viele nicht selbstverständlich. Als Fotografin liegt es an mir, mein Gegenüber in eine entspannte Stimmung zu bringen. Mit den Fotowalks bringe ich die Leute dazu, sich in lockerer Atmosphäre und natürlicher Umgebung zu öffnen, ohne an die Umsetzung von steifen Posen denken zu müssen. Denn wir alle mögen die Bilder, auf denen wir wir selbst sein können. In der heutigen Zeit sind die meisten nicht mehr richtig bei der Sache – darunter leiden dann auch die Porträts. Die Authentizität soll wieder in den Vordergrund – das ist mir gerade in KI-Zeiten wirklich wichtig.

Was ist das Besondere an den Fotowalks? 

Eva-Maria Mrazek: Beim Fotospazieren stelle ich kleine Fragen aus dem Alltag und dem Berufsleben, die uns zum Nachdenken, aber manchmal auch zum Lachen bringen und so unterschiedliche Stimmungen erzeugen. So entstehen persönliche Porträts in Verbindung mit einer kleinen Interviewstrecke, wobei der Fokus immer auf den Bildern liegt. Durch die verschiedenen Einblicke entsteht auch für den Betrachter ein ganzheitlicher Eindruck der Personen. Ein Foto entsteht eben nicht nur durch Licht, es braucht auch den Schatten. Beide Seiten zu beleuchten, war mir besonders bei der Fotostrecke für Apropos sehr wichtig. Das eigene Schicksal erzählt vieles, aber niemals, niemals den Wert eines Menschen.