Kneippen: Einschlafhilfe und Muntermacher
Knieguss, Unterarmbad oder Wassertreten – die Anwendungsmöglichkeiten von Wasser sind vielfältig und wohltuend. Aber auch Ernährung, Bewegung, Kräuter und Lebensführung gehören zum Programm, das der Kneipp-Aktiv-Klub Salzburg gemäß den gesundheitsfördernden Empfehlungen Pfarrer Kneipps anbietet.
von Ricky Knoll
Kaltes Wasser? Ja, natürlich – aber nicht nur. „Für wechselweise Wasseranwendungen gilt die Formel warm – kalt – warm. Also den Körper immer nach einer Kältezufuhr wieder aufwärmen. Wobei wir uns nicht abtrocknen, sondern nur abstreifen und etwa nach dem Wassertreten mit nasser Haut in Socken und Schuhe schlüpfen. So verdampft das Wasser auf der Haut und wirkt zusätzlich noch auf die Körperzellen“, erklärt Renate Gschaider, Vorsitzende des Kneipp-Aktiv-Klubs Salzburg.
Dieser besteht seit 1894, seit 2017 ist Gschaider dabei und hat damals die Leitung übernommen. Ihr zur Seite als Stellvertreterin steht Rosemarie Fink, die zuvor vier Jahre lang den Salzburger Verein geleitet hat und insgesamt schon seit 13 Jahren Mitglied ist. Gemeinsam mit dem Team erarbeiten sie die Veranstaltungsprogramme, immer für ein Halbjahr. „Aktuell sind bei uns etwa 300 Mitglieder, wir freuen uns aber jederzeit über Neuankömmlinge“, sagt Fink.
Jeden ersten Mittwoch im Monat treffen sich alle zum Stammtisch im Restaurant Johann beim Salzburger Hauptbahnhof ab 14 Uhr – außer es ist ein Feiertag, dann findet das Treffen eine Woche später statt. „Alle sind willkommen, auch Nichtmitglieder. Der Stammtisch dient zum Austausch, Vernetzen, Einander-Kennenlernen und dazu offene Fragen zu beantworten“, so die Vorsitzende.
Die Saison beginnt immer im Mai mit dem „Ankneippen“, das Veranstaltungsprogramm läuft jedoch bereits seit Jänner, etwa bei Kegel- oder Spielenachmittagen, Wanderungen, Gymnastik, Maiandacht, Kräuternachmittagen, Ausflügen, Vorträgen und Workshops. Auch ein Besuch der Lehar-Festspiele in Bad Ischl oder Gesundheitswochen sind möglich. Sehr beliebt ist einmal pro Monat das „Frühstück mit Kneipp“. „Dabei geht es auch immer um eines der Kräuter, das aktuell wächst.“
Fixpunkte sind jeden Dienstag und Donnerstag Wanderungen. Immer dienstags geht es zu Ausflugszielen im ganzen Bundesland zur rund zweieinhalbstündigen Wanderung. Die kürzere Variante – etwa ein bis eineinhalb Stunden – gibt es donnerstags. Gewandert wird im Wohlfühltempo unter dem Motto „gemeinsam statt allein“ in und um Salzburg. „Wir fahren überall mit den Öffis hin, wandern und freuen uns anschließend über die Einkehr in einem Gasthaus“, erklären die beiden.
Auf fünf Säulen ruht das Gesamtkonzept nach Pfarrer Sebastian Kneipp: Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensführung. „Es geht um das einfache Leben, es muss nicht immer alles in Saus und Braus sein“, betont Gschaider.
Am bekanntesten ist das Wassertreten. „Es hat eine ausgleichende Wirkung: Es erfrischt am Tag und beruhigt am Abend“, weiß Fink. In der freien Natur eignet sich ein Bach oder das Seeufer, für zu Hause stellt man sich am besten in Badewanne oder Dusche einen großen Kübel hin, in dem beide Füße Platz haben. Vorbedingung: warme Füße, das Wasser soll circa 30 Zentimeter hoch reichen. „Wichtig ist der ‚Storchenschritt‘, bei dem man einen Fuß nach dem anderen immer ganz aus dem Wasser hebt, die Zehenspitzen zeigen nach unten – bis der Kälteschmerz eintritt. Langsam eingewöhnen und dann steigern geht ebenfalls. Auch hier gilt: nicht abtrocknen, nur abstreifen und anschließend gleich mit Socken und Schuhen wärmen.“ Nach der Kaltanwendung sofort für Wiedererwärmung sorgen – entweder aktivierend durch Bewegung oder beruhigend und im Bett. „Dann sofort ohne Umschweife schlafen gehen, sonst ist man zu sehr aktiviert.“
Ähnliche Wirkung entfalten Unterarmbäder, die nach einer Wanderung abkühlen und erfrischen. Der Knieguss bewirkt eine aktive Durchblutung der Unterschenkel, regt Unterleibsorgane an, verhindert bei regelmäßiger Anwendung kalte Füße und Krampfadern. „Nie zwei Anwendungen hintereinander durchführen – etwa Wassertreten und Armbad. Dazwischen sollen immer etwa eineinhalb Stunden liegen“, gibt Gschaider zu bedenken.