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Hervorgehoben II

Ein grüner Daumen verbindet

Immer mehr Menschen suchen in Salzburg eine Wohnung – dementsprechend dichter muss in der Stadt gebaut werden. Für hauseigene Gärten bleibt da meist kein Platz. Um den Stadtbewohner trotzdem ein Stück Grün zum Bepflanzen zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die nachbarschaftliche Gemeinschaft zu fördern, wurde 2008 der „Stadtteilgarten Itzling“ gegründet.



Vier bis fünf „Minihochhäuser“ könnten rund um den Salzburger Hauptbahnhof in den nächsten Jahren errichtet werden, vor allem, um neue Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Diese „Verdichtung“ der Stadt beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Salzburger Bahnhofsviertel. In vielen Gebieten wird immer dichter gebaut, um dem hohen Wohnungsbedarf nachzukommen. Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen wohnen, heißt das aber nicht, dass sie auch sozial näher zusammenrücken. Im Gegenteil. Mehr als ein Kopfnicken, höchstens noch ein „Guten Morgen“ kommt an Kontakt zwischen Nachbarn oft nicht zustande. Während die einen die Anonymität in der Stadt schätzen, fühlen sich andere einsam und isoliert. Auch für Natur und Grünflächen, die den Wohngebäuden in Ballungsräumen etwas von ihrer Kälte nehmen würden, bleibt oft kein Platz. Wie kann man sich also aus dieser Isolation befreien? Und wie kann die Natur in die Stadt geholt werden? Eine Antwort darauf stellt der 2008 gegründete „Stadtteilgarten Itzling“ dar.


Stadtteilgärten beziehungsweise „Interkulturelle Gärten“ gibt es mittlerweile schon in vielen europäischen Städten. Es handelt sich dabei um Grünflächen, die von Stadtbewohnern gegen einen kleinen Unkostenbeitrag „gemietet“ und nach Lust und Laune bepflanzt werden können. In Itzling sind das ganz konkret 29 Beete, die den Hobbygärtnerinnen und -gärtnern im Schopperstraßen-Park auf über 500 m² zur Verfügung stehen. Es soll Menschen, die keinen eigenen Garten haben, ermöglicht werden, zu „garteln“, sich im Freien mit Freunden zu treffen und neue Bekanntschaften zu schließen.


Und nicht nur das. Ein wichtiges Ziel der Initiative ist es außerdem, Stadtbewohner jeden Alters und aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammenzubringen, um die Gemeinschaft zu fördern und Berührungsängste abzubauen. „Den Garten gibt es in allen Kulturen, überall wird gegärtnert. Daher ist es unsere Philosophie, dass das die Menschen verbindet“, erklärt Initiatorin Christina Pürgy. Und das Konzept geht auf. Von Anfang an waren die Beete voll ausgelastet, es gibt sogar eine Warteliste für Interessenten. Derzeit wird der Stadtteilgarten von 33 Haushalten aus elf verschiedenen Nationen genutzt.


„Heuer habe ich mein Beet zweigeteilt. In einem Teil baue ich meine indischen Kräuter und Gemüsesorten an, im anderen etwas, das hier wächst“, erzählt Kuldeep. Die gebürtige Inderin, die erst seit dreieinhalb Jahren in Österreich wohnt, ist schon seit 2010 bei der Initiative dabei. „Es freut mich immer, wenn andere zu mir kommen und mich fragen, wie ich meine indischen Kräuter ansetze, oder ob sie etwas davon probieren können.“ Kuldeep fand durch den Stadtteilgarten nicht nur die Möglichkeit, Pflanzen aus ihrem Heimatland anzubauen, sie schloss auch viele neue Freundschaften.


Gelegenheit dazu gibt es viele. Neben den Kerntreffen, die einmal monatlich für die Gärtner und solche, die es werden wollen, stattfinden, werden unter anderem auch Filmabende, Workshops und Ausflüge organisiert. Zudem trifft man sich beim jährlichen Stadtteilgarten-Sommerfest, heuer am 29. Juni. Alle Beteiligten schätzen die dadurch entstandene Gemeinschaft sehr. „Die Leute, die jetzt im Garten sind, kennen mich und ich kenne sie. Es ist ein gutes Miteinander“, freut sich Otti, eine begeisterte Hobbygärtnerin, die ihr Beet heuer schon zum vierten Mal bepflanzt. Die Pensionistin hatte schon immer Freude an der Gartenarbeit, konnte diese aber früher nur auf ihrem Balkon ausleben. Nun findet man sie fast jeden Tag beim Gärtnern im Stadtteilgarten. „Es ist so ein gutes Gefühl, selbst gepflanztes Gemüse zu ernten“, erzählt sie stolz. Und dieses Gemüse ist noch dazu rein biologisch, denn Kunstdünger verwendet von den Itzlinger Stadtgärtnern niemand. Schließlich haben sie vor allem eines gemeinsam: die Liebe zur Natur. Deshalb wird auch heuer im Schopperstraßen-Park wieder kräftig gegärtnert. Und wer weiß, vielleicht lernt der eine oder die andere dabei sogar den eigenen Nachbarn kennen.


Text: Sarah Adamek

Foto: Stadtteilgarten Itzling