Wechseln zu: Inhalt
Wechseln zu: Suche
Sie befinden sich hier: Home Projekte Projekt 1
start -->

Hervorgehoben III

Der Demokrat Andreas

Seine Kindheit war schön. Der Vater war ein Akademiker, die Mutter Sennerin. Sie lernten sich in einem Lazarett kennen und heirateten. Sie hatten fünf Kinder. Zuerst wohnte Andreas in Innsbruck. Als der Vater eine Versicherung in Salzburg übernahm, kam auch die Familie nach. Andreas besuchte ein Jahr lang die HTL und lernte dann Mechanikermeister im Wirtschaftsförderungsinstitut. Er half beim Hausbau der Familie in Golling. Er versuchte es bei verschiedenen Arbeitsstellen und machte die Praxis beim Militär. Schließlich hatte er eine eigene Werkstätte in Golling. Seine Frau war im Büro und bekam gleich viel bezahlt wie ein Mann. Andreas war immer schon für Chancengleichheit im Berufsleben.

 

Nach zwei Jahren kam die Tochter auf die Welt. Das war eine große Freude für ihn. Er und seine Familie lebten bei seinen Eltern. Sie hatten auch einen Bernhardiner und einige Pflegekinder, aus denen was geworden ist. Die Tochter hat schon fertig studiert und leitet ein Hotel. Die Firma ging nach zwei Jahren in die Brüche, trotz eines guten Kundenstocks, da der Pachtvertrag aus war. Andreas probierte es nun als Holzfäller. Vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich und in der Schweiz war er unterwegs. Viel Arbeit wartete auf ihn. Die zwei Frauen musste er ja auch versorgen. Unter 300 Stunden im Monat ging es nicht. Er war nur noch selten zu Hause und hat schöne, aber auch unangenehme Erlebnisse gehabt. Jemand hat ihm das Gehalt nicht gegönnt und hat ihn fast mit einem Baum erschlagen. Den hat er zur Rede gestellt und angezeigt. Das Geld hat er bekommen. Im Taunus übernahm er ein Revier zwischen Rüdisheim und Wiesbaden. Fischzucht gab es auch. Aber der Oberförster war unausstehlich. Öfters war er angestellt, dann wieder selbstständig auf Montage. Schließlich war er in ganz Europa im Katastropheneinsatz und machte den Forstwirtschaftsmeister an der Uni Göttingen. Die Leute haben ihn dort einfach eingefordert. Zum Beispiel bearbeitete er den Windbruch der Bäume. Einmal haben ein paar Junge bei ihm gewohnt und er hat sogar eine Abtreibung verhindert. Nach der Hausgeburt habe ihn der Junge angeschaut wie Jesus, sagt er lachend.

 

Nach der Scheidung wohnte er bei Verwandten, arbeitete als Imker, im Gartenbau und als Umweltreferent. Da es Auseinandersetzungen mit der Familie gab, war er ein halbes Jahr lang obdachlos und lebte in einer Hängematte am Untersberg. Sein Haus wurde versteigert, seine Eltern waren gestorben. Als man ihn von der Hängematte verjagen wollte, sagte er zur Polizei, dass die Luft ja allen gehört und so wurde sein Leben akzeptiert dort. Er hat einen Schlaganfall mit Naturheilmitteln auskuriert (Brennnessel, Zinnkraut) und suchte dann um die Rente an, die er 1998 auch bekam. Die Motorik und die Gedächtnisleistung haben sich verändert.

 

Heute ist er froh über sein Leben. Er ist verbunden mit Yoga. Das hat ihm sein Yoga-Lehrer beigebracht. Wenn er in der Früh ein Asana macht, zum Beispiel „den Himmel stützen“, geht es ihm den ganzen Tag gut. Er freut sich über die Linde vor dem Haus der GSWB, ein Geschenk der Natur, und hat sich als Einziger aufgeregt, als die Tanne gefällt wurde. In den Parks gibt es keine Eigeninitiative mehr. Er geht gern in den Paradiesgarten, weil ihn die Natur und der See aufbauen. Wenn man es am dringendsten braucht, gibt es bei Andreas ein Essen mit Kerzenschein und Gespräche. Vielleicht hilft gerade das, die Seelentiefs zu besiegen. Kochen hat er gelernt als Autodidakt. Mir schmeckt die Brettljause. Auf der Fensterbank bauen wir alles an: Spitzwegerich, Raps und Schnittlauch.


Text: Verkäuferin Andrea

Foto: Hans Steininger