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Hervorgehoben II
Klarheit gibt Sicherheit
Wenn ein Paar sich trennt, ist das selten einfach. Wenn Eltern sich trennen, werfen sie damit auch ihre Kinder aus dem Gleichgewicht. Das geht im erwachsenen Gefühls-Wirrwarr von Wut, Trauer und Gekränktheit allerdings oft unter. Im März startet Rainbows wieder mit Gruppen, die in dieser turbulenten Zeit vor allem für die Kinder da sind.
„Wir trennen uns, wir haben uns nicht mehr lieb. Dich haben wir aber natürlich immer noch gleich lieb. Der Papa wird nicht mehr bei uns wohnen, aber du wirst ihn oft in seiner neuen Wohnung besuchen.“ So, oder so ähnlich, erfahren viele Kinder von der Trennung ihrer Eltern. Je jünger ein Kind ist, umso abstrakter wird ihm das Gesagte vorkommen. Viel wichtiger erscheinen ihm da so Fragen wie: „Und wer bringt mich jetzt in der Früh in den Kindergarten? Wer kocht für mich, wenn ich aus der Schule komme? Wer liest mir meine Gute-Nacht-Geschichte vor?“ „Oft ist es für Kinder am wichtigsten, dass man Alltagsfragen mit ihnen klärt, damit sie wissen, wie ihr Leben jetzt weitergeht“, sagt Monika Aichhorn, Psychologin, Psychotherapeutin und Leiterin von Rainbows Salzburg (siehe Kasten). Und wenn man das manchmal selbst noch nicht so genau weiß, darf man das ruhig zugeben. Die Angst, dass man das alles nicht schafft ,und Schimpftiraden über den Expartner haben bei solchen Gesprächen allerdings nichts verloren. Und wenn man mal nicht verbergen kann, dass man verzweifelt ist, kann man das dem Kind gegenüber ruhig zugeben – aber auch dazusagen, dass man das wieder hinkriegt, und dass es nicht die Aufgabe vom Kind ist, sondern die der Erwachsenen.
Die stillen Kinder gehen unter
Natürlich sollen Kinder involviert werden, wenn es darum geht, die neue gemeinsame Zukunft zu planen – die Entscheidungen treffen aber die Eltern. Deshalb gar nicht zu viel fragen, sondern dem Kind einfach sagen, was als Nächstes passiert. Also nicht: „Möchtest du am Wochenende zum Papa?“, sondern „Am Wochenende holt dich der Papa ab.“ Denn Kinder werden, gerade in den Anfangswochen und -monaten, immer ein schlechtes Gewissen haben – weil sie einen Elternteil verlassen müssen, damit sie den anderen sehen können. Diesen Schritt muss man ihnen so leicht wie möglich machen. Tabu ist es deshalb, über den anderen Elternteil schlecht zu sprechen. Aber auch, die Kinder, etwa nach dem Besuchswochenende, auszuhorchen. „Das setzt die Kinder unheimlich unter Druck, oft lügen sie sogar oder verschweigen schöne Erlebnisse, damit sie den anderen Elternteil nicht kränken“, erzählt die Psychologin aus der Praxis. Wenn das Kind nach der Trennung tobt, frech ist, in der Schule schlechte Leistungen bringt und lautstark seinen Unwillen über die Trennung der Eltern kundtut, ist das zwar anstrengend, aber gesund. Für die seelische Gesundheit des Kindes. Sollte einem aber zu Ohren kommen, dass Trennungseltern erleichtert darüber sind, dass ihr Kind die Trennung ganz locker wegsteckt, oder sollte das eigene Kind nach der Scheidung immer ruhiger, braver und angepasster werden, dann ist es höchste Zeit, genauer hinzuschauen. „Je lauter ein Kind ist, umso schneller kommt Hilfe“, weiß Aichhorn aus Erfahrung. „Die stillen Kinder sind es, die untergehen.“ Viele Kinder geben sich die Schuld für die Trennung ihrer Eltern. Sie denken: „Wegen mir ist schon der Papa gegangen. Wenn ich jetzt nicht brav bin, dann geht vielleicht auch noch die Mama.“ Kinder übernehmen in dieser Situation oft in einem ungesunden Maß die Verantwortung für die Eltern und haben große Verlustängste – beides soll Ihnen in den Rainbows-Gruppen genommen werden. Jede Trennung bringt Veränderungen mit sich, und Veränderung bedeutet immer Instabilität. ExpertInnen raten, wenn es irgendwie geht, nicht gleich alles auf einmal zu ändern. Wenn ein Umzug ansteht, kann vielleicht trotzdem noch das Schuljahr in der alten Schule fertig gemacht werden. Jedes Kind braucht einen Anker – aber Fakten bleiben Fakten: Je klarer bestimmte Dinge ausgesprochen werden („Wir können uns diese Wohnung nicht mehr leisten“), umso besser wird das Kind verstehen. „Klarheit gibt in so einer Situation dem Kind Halt. Natürlich kann ich versuchen, auch die Wünsche des Kindes zu berücksichtigen, aber alles wird halt oft nicht gehen“, nimmt Monika Aichhorn Trennungseltern das schlechte Gewissen. Überhaupt gilt in diesen turbulenten Zeiten für alle: Man darf Fehler machen – und diese Fehler auch eingestehen. Kinder halten auch mal Eltern aus, die nicht 100 Prozent bei ihnen sind. Gut ist es, wenn es in dieser Zeit andere Menschen gibt, die einspringen können, um für das Kind ganz da zu sein. Bei Rainbows gibt es solche Menschen, und auch andere Kinder, die genau wissen, wie es einem selber gerade geht. Oder wie Jakob, zehn Jahre alt, es ausdrückt: „Bei den Rainbows kann man einmal in der Woche einfach mal seine Sorgen vergessen.“
Text: Anja Keglevic
Foto: Bilderbox


