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Hervorgehoben I
„Vereinfachen Sie Ihr Leben“
Es gibt Tage, da fühlt es sich an, als ob uns das Gewicht der ganzen Welt am Buckel hängt. Alles ist schwer, mühsam und kompliziert. Dann gibt es wieder Phasen, da geht uns alles ganz leicht von der Hand und wir flattern durchs Leben, als wäre das die einfachste Sache der Welt. Wo aber lauern sie, die „Gewichte“? Die schlechte Nachricht: Oft in uns selbst und unserer Umgebung. Die gute Nachricht: Oft in uns selbst und unserer Umgebung.
Ich gebe zu, ich habe es mir erstmal leicht gemacht. Ich habe bei Google die Frage eingegeben: „Was macht das Leben leichter?“ Hier einige Antworten: „Mähroboter, Attraktivität, Partnerschaft, ein starker Rücken, Online-Check-in, „richtiger“ Streit, Google-Mail, Finanzausgleich, Rund-um-Service, intelligente Kleidungsstücke und Natreen (macht das „süße“ Leben leichter). Wenn Sie sich nun drei Dinge aussuchen könnten, was davon würden Sie wählen, um sich das Leben zu erleichtern? Falls es Sie interessiert: Ich würde den Mähroboter, die Partnerschaft und das Online-Check-in nehmen. Der Selbst-Coaching-Experte Ralf Senftleben beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Dingen, mit denen wir uns oft selber das Leben schwer machen. Er hält einen nur auf den ersten Blick banalen Tipp bereit: „Wenn wir aus der Tretmühle des täglichen Stresses ausbrechen wollen, gibt es ein einfaches Rezept: ‚Vereinfachen Sie Ihr Leben.‘“ Konkret rät er dazu, Prioritäten zu setzen („Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig?), Aufgaben systematisch zu planen („Schaffen Sie sich ein Zeitplanbuch an“), „sinnlose Dinge“ loszuwerden („Entrümpeln Sie Ihre Wohnung“), sich auf die inneren Werte zu konzentrieren („Glück kann man nicht kaufen“) und sich einmal in der Woche einen echten Ruhetag zu gönnen („An dem man wirklich ausspannt und nicht auf den Berg rennt“).
Jetzt haben wir das alles geschafft, und scheitern schließlich doch: an unserer neuen Digitalkamera. Ärgerlich. Das findet auch Manfred Tscheligi, Professor für Human-Computer Interaction and Usability an der Universität Salzburg. Was nutzt der modernste Drucker, wenn sein Besitzer es nicht schaffen wird, den Toner auszutauschen? Was bringt der High-tech-DVD-Recorder, wenn ich zeit meines Lebens keinen einzigen Film damit werde aufnehmen können? Die Aufgabe von Manfred Tscheligi und seinem Team ist es, neue elektronische Geräte und Software einerseits auf ihre Benutzbarkeit zu prüfen und andererseits darauf, welche Erlebnisse sie ihren Benützern bescheren. „Nur Funktionieren reicht heute nicht mehr“, ist Tscheligi überzeugt. Es gehe auch darum, herauszufinden, was dem Benutzer Freude macht, Spannung und emotionale Erlebnisse bringt. Bis ich mich an meinem neuen Gerät aber so richtig freuen kann, muss ich es erst einmal zum Laufen bringen.
Auf der Internetseite deppensicher.com sind jene richtig, die immer wieder genau hier scheitern: an der Gebrauchsanweisung zur Digitalkamera, am Beipackzettel des Bluthochdruck-Medikaments oder auch einfach „nur“ am Internet und seinen vielen Möglichkeiten. Sie alle können ihr Problem dem Deppensicher-Team mailen und gegen einen Unkostenbeitrag von zwei bis drei Euro bekommt man schon bald die Übersetzung in „deppensicherer Form“ zurückgeschickt.
Alles andere als „deppeneinfach“ sind häufig die Inhalte von wissenschaftlichen Arbeiten. Wer nicht vom Fach ist, hat oft schon beim Titel mancher Doktorarbeit ein massives Problem damit, zu erahnen, um was es darin eigentlich geht. Jetzt könnte man es sich als frischgebackener Doktor leicht machen, und sagen: „Pech gehabt“, oder man stellt sich der Herausforderung – und tanzt seine Dissertation. 55 Dissertanten haben genau das auch heuer wieder getan. Denn bereits zum vierten Mal fand der internationale Wettbewerb „Dance your Ph.D“ („Tanze deine Dissertation“) statt. „Siegertänzer“ war 2011 der Australier Joel Miller, der eine Abhandlung zum Thema über die mikrostrukturellen Gesetze von Titanbestandteilen tanzte (im Original: „Microstructure-Property relationships in Ti2448 components produced by Selective Laser Meltin“). Er schaffte es, dass am Ende den Zusehern klar wurde: erst wenn Alpha-Titan (getanzt von einer Frau im Hochzeitskleid) und Beta-Titan (getanzt einem schwarzgekleideten Superhelden) zueinander finden, ist Titanium-Mann ausdauernd und flexibel zugleich. Und dann wird es in der Folge möglich sein, verträglichere und haltbarere Knie- und Hüftgelenke aus Titan zu entwickeln. Na bitte, ist doch ganz einfach.
Komplizierter Link, aber einfach lustig:
news.sciencemag.org/sciencenow/2011/10/dance-your-phd-winner-announced.html
Text: Anja Keglevic
Foto: Bilderbox


