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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Alles andere als einfach ...

Die Sozialhilfe in Österreich ist eine staatliche Mindestsicherung auf der untersten Ebene. Sie soll hilfsbedürftigen Menschen die Führung eines menschenwürdigen Lebens ermöglichen. Jedes der neun österreichischen Bundesländer regelte die Sozialhilfe durch ein eigenes Sozialhilfegesetz. Damit waren die Gesetze in dem jeweiligen Bundesland verschieden. Seit 1. September 2010 wurde als gemeinsame Leistung aller Bundesländer die „bedarfsorientierte Mindestsicherung“ als Ersatz für die „Sozialhilfe“ eingeführt. Trotzdem gilt man als Sozialhilfeempfänger bzw. Sozialschmarotzer, wenn man aufs Sozialamt geht. Aber wer geht denn schon freiwillig dahin? Seit der Euroeinführung und besonders in der letzten Zeit sind die Preise für Sachen, die man zum täglichen Leben braucht, drastisch gestiegen. Ist es da ein Wunder, dass die Armut in Österreich steigt?


Was soll denn einer machen, der aufgrund eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann und dem die Invaliditätspension abgelehnt wurde, weil irgendwelche Ärzte entscheiden, dass dieser Mensch bestimmte Arbeiten verrichten kann. Nur dass Arbeitgeber so einen mit derartigen Einschränkungen nicht wollen.


Was soll denn ein alleinstehender Pensionist machen, wenn er nur eine kleine Rente hat?

Was soll denn eine alleinerziehende Mutter machen, wenn sie aufgrund ihrer Kinder nur ein paar Stunden arbeiten kann?

Was würdest du machen, wenn das Geld nicht reicht?! Ja, klar: Den Staat um Hilfe bitten. Also, auf das Sozialamt. Oder?


Nur dass man da vorher alles andere ausprobieren muss: Zum Beispiel bei der Landesregierung um Wohnbeihilfe ansuchen. Oder Ratenvereinbarungen ausmachen. Schulden machen. Erst wenn man nichts mehr hat, kann man auf das Sozialamt gehen. Und eigentlich kenne ich niemanden, der aus Lust und Laune dahin geht, sondern nur solche, die froh sind, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, das Mindeste zu bekommen. Aber ich kenne sehr viele, die sich dafür schämen, weil sie mindestens schon einmal als „Sozialschmarotzer“ bezeichnet wurden. Natürlich gibt es auch Personen, die lieber anderen etwas wegnehmen, bevor sie sich auf das Niveau eines Sozialhilfeempfängers herablassen. Oder solche, die als sogenannte „Arbeitgeber“ ihre Mitmenschen unter unwürdigen Bedingungen schuften lassen, bis sie umfallen und irgendwann aufs Sozialamt müssen. Oder solche, die in ihren mächtigen Positionen sonst irgendwie dafür sorgen, dass Menschen verarmen.


Vielleicht sollten wir dies künftig bedenken, wenn wir über „Sozialschmarotzer“ oder über „Menschen, die Mindestsicherung beziehen“, reden.


Text: Hanna S.