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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Teilen

einteilen-aufteilen-verteilen-austeilen-umverteilen-erteilen-mitteilen-abteilen-beteilen-urteilen-zerteilen-aburteilen-beurteilen-zerteilen zweiteilen-dreiteilen-vierteilen-unterteilen-abteilen-übervorteilen ...


Ich dachte eigentlich immer, dass „Teilen“ eine positive Sache ist. Aber in den oben genannten Wörtern die mir bei diesem Thema durch den Kopf gingen, sind auch negativ angehauchte dabei.


Teilen ist das gemeinsame Nutzen einer Ressource: Ob im positiven oder negativen Sinne. Ich möchte jedoch über den positiven Wert dieses Wortes schreiben. Ich denke dabei an Solidarität und das Streben nach Gerechtigkeit, also Fairness.


Ich bin im Moment von Menschen umgeben, die sehr positiv leben. Damit meine ich solche, die auf sich selbst und auch auf ihre Umwelt achten. Die sehr genau schauen, wo und was sie einkaufen. Qualitative Produkte eben. Und diese Menschen kaufen nur das Notwendigste, das sie wirklich brauchen, dafür zahlen sie mehr. Sie kommen aber im Endeffekt auf dieselbe Rechnung wie Menschen, die viel kaufen zu billigen Preisen (zum Teil Dinge, die sie nicht unbedingt brauchen). Und wenn man bedenkt, dass qualitative Ware länger hält und für ein gutes Gewissen sorgt, kommt es vom Preis auf dasselbe. Weniger ist mehr!


Ich zahle inzwischen gerne mehr Geld für Fleisch, wo ich weiß, dass das Tier artgerecht leben durfte. Dafür esse ich weniger davon. Und ich komme auf dieselbe Rechnung wie früher, als ich noch viel und billig einkaufte. Bei den Eiern dasselbe: Eier von Freilandhühnern sind einfach die besseren. Anhand der ersten Nummer 0 für biologisch oder 1 für Freilandeier, die auf dem Ei gestempelt ist, kann man dies leicht überprüfen. Ich vergönne auch Hühnern ein schönes Leben.


Bei der Kleidung achte ich größtenteils auf Qualität. Mit wenig Geld ist es möglich, diese auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Shop zu erstehen. Ich bekomme jedoch auch oft etwas geschenkt. Wenn ich bedenke, dass ich selbst für giftige Stoffe und Farben, welche in vielen Kleidungsstücken enthalten sind, mehr bezahle, entscheide ich mich sehr gerne für Mode aus zweiter Hand. Für ein Billig-T-Shirt zahlt man im Geschäft vier Euro. Obwohl klar ist, dass dies von Menschen gemacht wurde, die einen Scheißdreck dafür bezahlt bekommen, trotzdem mit gesundheitsschädlichen Stoffen arbeiten müssen und unter

Arbeitsbedingungen, die katastrophal sind. Und diese ziehen wir dann an. Hauptsache billig. So, nun bekomme ich ein T-Shirt aus reiner Baumwolle auf dem Flohmarkt um nur 50 Cent mit einer Marke, die für Qualität bekannt ist. Ist ein viel besseres Gefühl. Und gespart hab ich obendrein.


Auch bei der Kosmetik bin ich auf natürliche Produkte umgestiegen. Ist zwar sauteuer, aber wenn man sparsam damit umgeht, kommt man lange aus.


So zu leben, hat für mich etwas mit Solidarität, Fairness und Streben nach Gerechtigkeit zu tun. Solidarität mit Menschen, die ausgebeutet werden, Gerechtigkeit gegenüber Mensch und Tier, die nicht so leben können, wie es sein sollte. Fairness den Personen gegenüber, die sich bemühen, diesen schrecklichen Gräueltaten, die alltäglich mit Mensch und Tier passieren, entgegenzuwirken. Was ist der Lohn dafür? Ein gutes Gewissen! Das Teilen gilt in unserem Wertesystem als positiver Wert und es liegt eigentlich in der menschlichen Natur, zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles zusammenzuarbeiten. Und das geht nur mit Respekt vor unserer Umwelt.