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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

Man darf sich nicht aufgeben

Ich denke, dass ich in meinem Leben ziemlich gescheitert bin. Trotz einer guten Schulausbildung konnte ich mich im Beruf, im praktischen Leben nie behaupten. Eine solide Anstellung bei der Oberbank in Linz beendete ich nach zwei Jahren wegen Alkohol- und psychischen Problemen. Mein weiterer Lebensweg gestaltete sich sehr sprunghaft. In Tirol und in Bad Gastein war ich lange Jahre im Gastgewerbe tätig. Ich wurde in der Rezeption, als Nachtportier, im Service und in der Küche eingesetzt. Das half mir wenigstens einen finanziellen Grundstock zu haben, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Trotzdem hatte ich immer wieder mit Suchtproblemen zu kämpfen. Ich bin an meinen eigenen Versagensängsten, an der hohen Erwartungshaltung der anderen und am zwischenmenschlichen Umgang gescheitert. Jetzt habe ich meine Lebensansprüche und -ziele so niedrig gehalten, um nicht immer diese Erfahrungen machen zu müssen. Ich glaube, dass man trotz Versagens nicht aufgeben sollte und immer wieder einen neuen Versuch wagen sollte. Vielleicht gibt es auch noch weitere Lebensziele, die ich verfolgen sollte, um wieder kleine Erfolgserlebnisse zu haben. Kein Mensch ist gefeit davor, irgendwann einmal zu scheitern. Man ist damit nicht allein. Das sollte sich jeder vor Augen halten. Wichtig ist, dass man sich nicht ganz aufgibt.

 

 

 

Text: Verkäufer Johans

Foto: Apropos

September-Ausgabe 2010

 

 

Mehr aus dem Leben unserer Verkäuferinnen und Verkäufer und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen erfahren Sie im aktuellen Apropos und auch online im Schreibwerkstatt-Archiv.