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Schreibwerkstatt

 

Die Rubrik "Schreibwerkstatt" (in der Zeitung "Anders erlebt") spiegelt die Erfahrungen, Gedanken und Anliegen unserer VerkäuferInnen und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen wider. Sie bietet Platz für Menschen und Themen, die sonst nur am Rande wahrgenommen werden.

 

 

„Sagen Sie nie, das passiert mir nicht!“

Zu dem Theaterstück mit „Antigone in New York“ im kleinen Theater Salzburg, wo wir Aproposverkäufer zur Generalprobe eingeladen waren, zu diesem modernen Klassiker möchte ich aus meiner Sicht Stellung nehmen, zu der in den SN erschienenen Rezension von Heinz Bayer.

 

Da ich sehr kulturinteressiert bin, nutze ich die Gelegenheit natürlich. Wenn ich wo eingeladen bin, gehe ich auch hin. Das Stück hat mich sehr betroffen gemacht und mich total an die Zeit erinnert, als ich das Leben einer Obdachlosen gefristet habe. Es entspricht den Tatsachen, wie man mit Menschen umgeht, die ohnehin nichts haben. Ich habe in der Aufführung meiner Betroffenheit freien Lauf gelassen, mit Tränen, die in Schluchzen übergingen. Was der SN-Journalist in meinen Augen ausgenützt hat, denn er hat in der Ausgabe vom 11. März 2010 eine Rezension über dieses Stück geschrieben und mich darin namentlich erwähnt!

 

Ich habe in der Pause mit ihm gesprochen und ihm erzählt, dass mich das an alte Zeiten, als ich obdachlos war, erinnert. Am nächsten Tag hat er in der Apropos-Redaktion angerufen und mit der Chefredakteurin gesprochen, aber er hatte nicht erwähnt, dass er darüber schreibt. Er hätte über das Theaterstück eine Rezension schreiben sollen und nicht über eine ehemalige Betroffene, die im Publikum sitzt. Natürlich ist das in Salzburg raue Realität, aber ich bin aus diesem Milieu aber schon lange draußen, und es war ein langer, harter Weg, in das so genannte normale Leben zurückzufinden.

Die Künstler waren sehr nett, und der Schauspieler Jurek Milewski begrüßte mich sehr freundlich. Dass es für so genannte Gestrandete immer härter wird, das sieht man an den ganzen Sparmaßnahmen, bei denen immer vor allem im Sozial- und auch im Gesundheitswesen der große Rotstift angesetzt wird.

 

Beim Aproposverkaufen werde ich oft gefragt, warum ein Obdachloser Bier trinkt. Ja, wie soll ein Obdachloser, der friert und keine Heimstätte hat, das sonst aushalten!? Eine Bemerkung noch: Als ich das Leben einer Obdachlosen geführt habe, da wurden meine Kollegen eher auf ein Bier eingeladen als auf ein Essen.

 

Von der Polizei und vor allem von Ämtern, da habe ich schon sehr viel Negatives erlebt und ich möchte niemals mehr das Leben einer Obdachlosen führen. Ich möchte diese Zeiten aber auch nicht missen, denn wir haben zusammengehalten. Falsche Menschen gibt es überall und es hat mich auch fürs Leben geprägt. Denn wie hart die Zeit auch war, wir hatten trotz allem auch unseren Spaß und vor allem habe ich interessante Menschen kennengelernt.

 

Unter anderem möchte ich noch anbringen, dass ich in dieser Aufführung zum Teil auch gelacht habe. Die Künstler waren hervorragend! Und das Thema der Vertriebenen, das Anderssein, wird wohl immer aktueller. Denn was du bist, ein Sandler oder Zigeuner, jeder Mensch hat ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Sagen Sie nie: „Mir kann das nicht passieren“!

 

 

 

Text: Verkäuferin Luise

Foto: Andreas Hauch

April-Ausgabe 2010

 

Mehr aus dem Leben unserer Verkäuferinnen und Verkäufer und anderer Menschen in sozialen Grenzsituationen erfahren Sie im aktuellen Apropos und auch online im Schreibwerkstatt-Archiv.