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Schwerpunkt

Kraft-Tankstelle im Alltag

Früher galten Fitnesscenter als Körper-Trainingcamps. Heutzutage setzen immer mehr auf die Verbindung von Körper und Seele. Apropos im Gespräch mit vita club-Geschäftsführerin Conny Hörl über die Wichtigkeit von Zielen, heiligen Stunden – und Zähneputzen.

 

 

Haben Sie heute schon Kraft getankt?

Ja, mit meinen Kindern Lukas (6) und Maximilian (4) – da tanke ich jeden Morgen Kraft. Und mit einer Tasse Tee. Das ist ein Tagesstart, der sein muss in der Früh.

 

Welchen Tee?

Je nach Stimmung. Ich trinke grünen Tee, wenn ein anstrengender Tag bevorsteht und Roibuschtee, wenn ich mich eher etwas runterholen muss.

 

Was bedeutet für Sie Kraft?

Kraft bedeutet für mich innere Ausgeglichenheit, In-sich-Ruhen und aus seiner Mitte schöpfen. Aber auch ganz klar Kraft im Sinne von Power und Gas geben. Wenn ich mich körperlich kräftig fühle, dann habe ich auch das Gefühl, dass ich innerlich gestärkt bin. 

 

Wer braucht mehr Kraft: der Körper, der Geist oder die Seele?

Die Seele braucht viel Kraft, wenn sie leidet. Das kostet uns viel Energie. Aber das betrifft im Endeffekt alle Bereiche. Wenn man einen körperlich fordernden Job hat, dann braucht man mehr Körperenergie. Die wenigsten verrichten jedoch eine körperlich anstrengende Arbeit. Daher suchen Menschen verstärkt die Anstrengung im Sport. Viel Kraft verbrauchen wir sicher auch auf der geistig-psychischen Ebene. Ich denke, der Alltag ist bei jedem schnell, stressig, anstrengend, und das kostet Energie – und die muss ich mir von wo anders halt wieder holen.

 

Von woher?

Indem man mit seinem Körper arbeitet und auf ihn schaut – zum Beispiel durch Kraftaufbau im Sinne von Muskulaturstärkung. Ich persönlich schöpfe viel Kraft durch Yoga und merke, wie unheimlich viel Energie mir diese „heilige“ Stunde in der Woche bringt. Ich kann mir aber auch Kraft nehmen, wenn ich zum Beispiel falsch esse mit vielen Fertigprodukten, Geschmacksverstärkern, Transfetten oder schnellen Kohlehydraten.

 

Leute wissen oft, dass sie sich falsch ernähren – und schaffen es dennoch nicht, ihre Ernährung umzustellen, weil oft die Gewohnheiten zu tief sitzen ... Sie bieten in Ihren vita clubs auch Ernährungsberatung an, etwa mit dem Stoffwechselprogramm Metabolic-Balance. Wie bringen Sie Menschen dazu, abzunehmen und ihr Gewicht dauerhaft zu halten?

Ich mache zu Beginn meistens eine dreistündige Veranstaltung, wo wir viel über Ziele reden. Ziele sind die Haupt-Motivatoren überhaupt. Wenn ich ein klares Ziel vor Augen habe, dann gibt mir das viel Kraft, weil es meine ganze Energie bündelt. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig es ist, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Daran arbeite ich oft lang mit den Leuten. Viele kommen und sagen „Ich möchte abnehmen“, haben aber gar keine klaren Vorstellungen, wie das Endbild ausschauen soll oder warum sie das machen wollen. Wenn jemand sagt: „Mein Arzt hat gesagt, ich soll abnehmen“, dann ist das eine relativ schlechte Motivation - weil das nur von außen und nicht von innen heraus motiviert ist. Ich versuche, den Menschen gleich zu Beginn klarzumachen, dass eine Ernährungsumstellung etwas sehr Schwieriges ist – denn Gewohnheiten sind zäh. Es ist ein langer Prozess, bei dem es zwei Schritte vor- und einen zurückgeht. Wir haben leider die Tendenz, in alte Muster zurückzufallen. Jeder muss gegen seinen inneren Schweinehund anarbeiten.

 

Manchmal hält einen der innere Schweinehund davon ab, zum Training zu gehen oder sich gesund zu ernähren – obwohl man weiß, dass es ihm gut täte. Haben Sie Tipps, um ihn auszutricksen oder um ihn ruhigzustellen?

Der wichtigste Trick ist, sein Ziel zu kennen – weil dann weiß ich, wofür ich das mache. Mir  ist aufgefallen, dass es Menschen leichter fällt, wenn sie klare Regeln haben. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, warum Metabolic Balance so erfolgreich ist: Da gibt’s einfach für die erste Zeit der Stoffwechselumstellung neun ganz klare Regeln. „Wenn du diese Regeln nach dem persönlich auf Dich abgestimmten Plan beachtest, dann funktioniert es“ – und diese Vorgaben helfen dann einfach ein Stück. Mein Tipp ist immer: Die ersten Tage dranbleiben, dann bildet sich diese neue Gewohnheit. Es ist wie beim Zähneputzen. Keiner denkt heut mehr dran: Soll ich heute Zähne putzen oder nicht? Aber wenn man kleine Kinder hat, dann ist dieses Zähne-putzen-Angewöhnen etwas ganz Schwieriges, da muss ich als Elternteil jeden Tag dranbleiben. Und irgendwann ist dann diese neue Gewohnheit da. Und genauso funktioniert das auch bei anderen Dingen. Die ersten paar Male wird es anstrengend sein, vielleicht habe ich sogar einen Muskelkater, aber je länger ich dranbleibe, umso leichter geht’s – egal ob bei der Ernährungsumstellung, beim Lernen oder wobei auch immer. Dabei ist es auch gut, sich ein bisschen externen Druck zu holen. Motivation setzt sich ja aus einem „Ich will“ und einem „Ich muss“ zusammen. Wenn ich mir also wöchentlich einen fixen Termin ausmache mit einem Trainer oder einem Freund, dann hat man gute Chancen, dass es mit dem Sport, beim gesunden Kochen etc. klappt.

 

Warum fällt es Menschen so schwer, auf sich oder ihren Körper zu hören?

Ich glaube, weil dieses Gespür für den Körper bei vielen Menschen durch den Überfluss an Nahrung, aber auch an Sinneseindrücken, verloren gegangen ist.

 

Auf Ihrer Homepage zitieren Sie den griechischen Philosophen Epikur, dass nur derjenige den höchsten Genuss erfährt, der vorher Entbehrung erlebt hat. Ein ungewöhnlicher Satz auf der Homepage eines Fitnessclubs ...

Ich fand bereits in der Schule diesen Grundansatz sehr gut: Der Mensch strebt nach Lebensfreude. Viele andere Philosophen haben Epikur deshalb als Philosoph der Völlerei abgestempelt. Dabei hat er nur gesagt, dass sich Genuss und Entbehrung bedingen. Genau dieses Bewusstsein möchten wir vermitteln mit unserer Firmenphilosophie: Wenn ich generell schaue, dass ich mich bewusster ernähre und mich da und dort ein wenig einschränke, dann kann ich ein anderes Mal ohne schlechtes Gewissen über die Stränge schlagen, mir meine vielleicht nicht ganz so gesunde Lieblingsspeise dazwischen so richtig gut schmecken lassen. Dann ist das ein richtiges Highlight. Wenn ich mein Leben bewusst mit diesen Highlights spicken kann – dann ist das für mich die höchste Lebensfreude. Oder wenn ich einen Menschen lange Zeit nicht sehe, dann freue ich mich umso mehr, wenn ich ihm dann wieder begegne.

 

Was sind die häufigsten Energieräuber?

Unerledigte Dinge, die ich schon lange aufschiebe, kosten uns wahnsinnig viel Energie. Was die Ernährung anbelangt, rauben die klassischen schnellen Kohlehydrate oder Transfettsäuren viel Lebensqualität. Und dann finde ich, dass negative Menschen ganz große Energieräuber sind. Es gibt Menschen, die einen prinzipiell runterziehen mit negativen Kommentaren, die immer aufs Negative schauen und ständig jammern ... im Beruflichen kann man dem nicht immer entgehen, aber privat oder auch bei Mitarbeitern, da mache ich keine Kompromisse mehr. Auch beim Thema Abnehmen ist es ganz zentral, mit wem ich im Boot sitze. Wenn ich einen Freundeskreis habe, in dem alle übergewichtig sind, dann kann es sein, dass die gar nicht wollen, dass man etwas gegen sein Übergewicht macht. Die werden einen dann runterziehen und immer wieder überreden, dass man doch etwas schummeln und eine Ausnahme machen kann. Da umgebe ich mich doch viel lieber mit Leuten, die es schon geschafft haben und die mich motivieren, zum Training zu gehen oder gemeinsam gesund zu kochen. Das ist dann auch eine Erkenntnis, die viele Menschen haben: Einige passen einfach nicht mehr in mein Leben. Dazu gehört ein Stück weit Mut, diese Freundschaften loszulassen.

 

Und was sind die besten Energiespender?

Kinder, Natur, Partnerschaft und Liebe. Und Sinn: Wenn ich merke, dass ich jemandem helfen kann, gibt mir das unglaublich viel Energie. Wenn jemand zu mir kommt und motiviert hinausgeht; wenn sich die Blutwerte von einem Menschen durch die Ernährungsumstellung gebessert haben und er mir sagt, dass er keine Blutdruckmittel mehr braucht – das gibt mir das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Und was auch noch Energie gibt: eine entspannte Grundhaltung. Oft denken wir uns: „Ich muss mich perfekt ernähren, einen perfekten Körper haben, eine perfekte Mutter oder perfekt im Job sein“ – aber wir sind alle nicht perfekt und es muss auch keiner perfekt sein. Ich glaube, eine gute Portion Humor und Gelassenheit würde uns allen sehr gut tun, nach dem Motto: Ich muss nicht perfekt sein, aber ich kann danach streben, heute Dinge besser zu machen als am Vortag. 

 

 

In ihren vier vita clubs bietet das Ehepaar Conny und Christian Hörl ein ganzheitliches Konzept an, das sich von körperlicher Fitness über gesunde ­Ernährung, Mentaltrainings bis hin zu Lebenscoaching erstreckt. 100 Mitarbeiter betreuen fast 9.000  Kunden.

Info: www.vitaclub.at

 

 

Text: Michaela Gründler
Fotos: wildteam

Jänner-Ausgabe 2010