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Das Wichtigste ist Wertschätzung

Spielplatz, Treffpunkt und ein offenes Ohr – das finden Kinder und Jugendliche im KOMMunikationszentrum in Maxglan. Muhammed Özcelik arbeitet dort in der offenen Jugendarbeit.

von Christine Gnahn

 

Wenn Muhammed Özcelik in die Arbeit geht, weiß er oft nicht, was ihn erwarten wird. Mal wird einfach Volleyball gespielt und Spaß gehabt – dann wieder gibt es Streit, den es zu beschwichtigen gilt, oder Sorgen, die einen Zuhörer brauchen. Seit zwei Jahren arbeitet Özcelik als Pädagoge im KOMMunikationszentrum in Maxglan, einem Haus für offene Kinder- und Jugendarbeit des Vereins Spektrum. Seine Aufgaben sind dabei sehr vielfältig.
„Grundsätzlich geht es bei uns darum, Kindern und Jugendlichen bereichernde und schöne Freizeit-aktivitäten anzubieten“, berichtet Özcelik, „mal springen wir Trampolin, mal kochen wir zusammen oder machen Ausflüge.“ Die Ideen für die Aktivitäten stammen dabei häufig von den Kindern und Jugendlichen selbst. „Wir hören uns an, was sie sich wünschen, und schauen dann, was wir davon realisieren können. Wir sind gewissermaßen einfach nur der Rahmen, in dem sich die Jugendlichen frei bewegen können.“ Das sei ein ganz wichtiger Aspekt der Arbeit im Zentrum: das Prinzip der Partizipation, nach dem die jungen Menschen, die täglich ein und aus gehen, aktiv mitbestimmen dürfen.
Die Position als Autoritäts-, aber vor allem auch als Vertrauensperson hat sich Özcelik Stück für Stück erarbeitet. Für alle Pädagoginnen und Pädagogen im Zentrum sei es dabei besonders wichtig, Werte wie Toleranz, die Gleichbehandlung der Geschlechter und ein modernes Demokratieverständnis zu vermitteln, „besonders dann, wenn die Kinder und Jugendliche das zuhause eher weniger erleben.“
Um das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu öffnen, sei vor allem das Thema Wertschätzung von hoher Bedeutung. Ein einfaches „Hey, schön, dass du da bist!“ sei dabei genauso wichtig, wie stets ein offenes Ohr für die Schützlinge zu haben. Denn Unsicherheiten, Fragen und Sorgen hat man als junger Mensch viele.
„Da geht es um Hausübungen, Bewerbungen, um die Entscheidung für die richtige Ausbildung, um die Familie, aber auch um Themen wie Liebe und Sexualität.“

Alle Fragen könne er freilich nicht beantworten, erklärt Özcelik, „wenn wir merken, dass ein bestimmtes Thema gerade wichtig für unsere Kinder und Jugendliche ist, organisieren wir einen Workshop und laden jemanden ein, der sich genau mit diesem Thema gut auskennt.“ Manchmal gehe es aber auch gar nicht um fachspezifische Ratschläge – sondern einfach nur um einen Menschen, der da ist und zuhört.

Die Arbeit im Kinder- und Jugendzentrum selbst ist nicht Özceliks einzige Aufgabe. Wann immer es die Zeit erlaubt, schwingt er sich auf sein Rad und fährt an unterschiedliche Plätze in Maxglan, „Hotspots“ nennt er sie. „Das sind zum Beispiel Parks, aber auch Parkplätze vor Supermärkten.“ Mobile Jugendarbeit heißt es, wenn der Pädagoge an öffentlichen Orten und Plätzen nachsieht, ob alles im grünen Bereich ist. „Da geht es um den Lautstärkepegel, um Drogen und Alkohol, aber auch um Müll oder Konflikte, die aufziehen.“
Wenn Özcelik auf Probleme trifft, tritt er nicht als Zurechtweiser auf, sondern als ein Unterstützer, der auf der Seite der jungen Menschen steht. Sehr hilfreich sei es, dass er viele junge Menschen in Maxglan mittlerweile persönlich kenne, „da kann man ganz anders auf sie zugehen.“
Das tut er auch dann, wenn die Polizei ihn verständigt und die Beschwerde von Nachbarn, beispielsweise über eine zu hohe Lautstärke in der Umgebung, an ihn weiterreicht. „Ich gehe dann zu den Jugendlichen hin und versuche, ihnen bewusst zu machen, dass es für sie selbst ein Problem darstellt, wenn die Polizei aufgrund ihres Verhaltens kommen muss.“ Oftmals sieht sich Özcelik jedoch auch in der Pflicht, die Jugendlichen in Schutz zu nehmen. „Wenn die Musik um sechs, sieben Uhr abends etwas laut ist, kann man das zwar als störend empfinden – aber man muss auch beachten, dass die Jugendlichen ein Recht darauf haben, sich zu treffen, ihre Musik zu hören und Spaß zu haben.“
Die schönsten Momente in seiner Arbeit seien jene, in denen er es schaffe, zu den jungen Menschen durchzudringen, „wenn man spürt, dieser Mensch vertraut mir und ich kann ihm helfen.“
Für den Pädagogen ist klar:
„Die Welt können wir sicher nicht verändern. Aber wir können den Tag für unsere Kinder und Jugendlichen verschönern.“